Warum Wikipedia sich keine Sorgen machen muss, die anderen aber schon: Die Online Marketing Rockstars erklären die SEO-Welt
Februar 18th, 2011 | Posted by in Affiliate Marketing | Display Advertising | Online-Marketing | Online-Marketing Veranstaltungen | SEM/SEA | SEO | Social MediaEins vorweg: Der einzig wahre Rockstar des Tages war für mich Nico Lumma. Immer dieselbe Nummer, immer ein Riesenerfolg beim Publikum ; )
Ansonsten stand bei der Online Marketing Rockstars-Veranstaltung der Hamburg Media School viel Neues auf dem Programm – und das Programm war riesig und straff organisiert. Geplante 19 Vorträge à 20 Minuten. Für das richtige Timing sorgte – wie für eine Veranstaltung mit diesem Titel angemessen – ein richtiger Rockstar. Wenn Thor anfing zu spielen, war die Redezeit beendet. Mehr oder weniger zumindest…
Nach der Begrüßung durch einen gutgelaunten und bestens vorbereiteten Philipp Westermeyer von adyards (der auch das Online Marketing Camp organisiert), sorgte Jochen Maaß von Hanse Ventures mit dem Thema “Google Optimierung – wie macht man es kaufmännisch richtig” für den passenden Einstieg in die folgenden Wissensbeiträge. Die Facts nun unplugged:
1. Content bleibt King Kong
Einig war man sich, das aktuellen und interessanten Inhalten immer noch die höchste Bedeutung zukommt. Content bleibt also weiterhin King. Der einzige unter den 100 größten Empfängern von Google Traffic, der sich nicht aktiv um SEO kümmern muss, sei daher Wikipedia, wie Johannes Beus von SISTRIX es auf den Punkt brachte. Reine Content-Farmen, wie sie nun vermehrt entstehen, werden es aber trotzdem schwer haben, denn Google beäugt sie misstrauisch und wird sie gegebenfalls “abstrafen”. Ob Angebote wie Demand Media erfolgreich am Markt bestehen können, bleibt daher abzuwarten. Die Meinung der Online-Marketing Experten hierzu war gespalten. Christoph Burseg von The Reach Group beispielsweise findet Demand Media durchaus spannend, meint aber dass Google entsprechende Filter anwenden wird, um diesen Markt stärker zu kontrollieren. Jens Kunath von orangemedia hingegen hält solche Content-Produzenten salopp gesagt für Schrott, da sie sehr Management getrieben seien und die Abhängigkeit von Google so groß ist. Eine Investition in diesen Bereich hielte er für sehr riskant. Martin Sinner von idealo wiederum sieht in Demand Media keinen Hype, sondern ein solides und messbares Instrument, vor allem im Ratgeberbereich. Grundvoraussetzung wären aber gute Analysten und gute Redakteure. Doch wie bekommt man gute Redakteure dazu, den journalistischen Anspruch mit den SEO-Anforderungen abzugleichen? Burseg, der bereits Welt Online bei der SEO-Optimierung half, hat folgenden Rat: “Die Redakteure müssen erkennen, dass der Vertrieb auch Inhalt ihres Jobs ist, da Texte nicht mehr “im Bundle” verkauft werden, sondern für sich selbst stehen müssen – jeder Text muss damit auch wirtschaftlich erfolgreich sein können. Fazit: Der Spagat zwischen SEO-optimierten und journalistisch anspruchsvollen (und damit Mehrwert-) Content wird (noch) schwieriger.
2. SEO wird aufwendiger, schwieriger und teurer
Die Zukunft der Suchmaschinenoptimierung wird nicht leichter. Wie es Jochen Maaß in seinem Einleitungsvortrag bereits andeutete, wird SEO immer mehr zum Linkbuilding und Johannes Beus brachte es dann auf den Punkt: SEO und Linkbuilding werden immer schwieriger, gefährlicher und teurer werden. Dabei werden die SEOs immer mehr auf den aktuell viel kritisierten Linkkauf angewiesen sein, daraus machte Beus keinen Hehl. “Gute Inhalte alleine reichen nicht.” Beim SEO muss künftig (noch) mehr riskiert werden, auch wenn Penalties drohen, da die Konkurrenz nicht schläft und SEO nun endgültig zu einem gesunden Marketing-Mix dazugehört. Man sollte bei seinen SEO-Aktivitäten einfach “nicht der Blödeste der Branche sein”, um gar nicht erst in Googles Radar zu geraten. Nicht der schlechteste Rat.
3. Social Media wird vom Maybe zum definitiven Must
Obowhl nur zwei der 19 Vorträge wirklich Social Media zum Thema hatten, war das soziale Web ständig in aller Munde. Spätestens seit der Social Graph als Ranking Faktor bei Google immer wichtiger wird, interessieren sich nicht mehr nur Marketing und PR für Facebook & Co. Sowohl Sebastian Blatz von Active Performance als auch Johannes Beus, Christian Müller von adyard sowie natürlich Nico Lumma und Dr. Andreas Bersch von facebookbiz wurden nicht müde, die Bedeutung von Social Media zu betonen. Daten sammeln und auslesen, Kundenprofile erstellen, dabei auf Augenhöhe kommunizieren und gleichzeitig SEO-Vorteile nutzen heißt die Zauberformel der Zukunft. Social Media ist kein Hype, löst die anderen Online-Marketing-Tools nicht ab, sondern reiht sich in die Schlange funktionierender Conversion-Treiber ein – das aber ziemlich weit oben, denn: “Conversation macht Conversion” (Christian Leybold, eVenture Capital).
4. Display Ads sind nicht tot
Totgesagte leben länger. Dass Display Advertising nicht an Bedeutung verliert, zeigte Christian Müller in seinem Beitrag. Das gelte aber nicht für die Clicks. Display Advertising ist in fast 50 Prozent der Fälle der erste Kontaktpunkt im Kaufentscheidungsprozess – aber nur selten auch der letzte. Auch deswegen sollte die Beurteilung von Clicks überdacht werden, wichtiger sei, dass die Banner überhaupt gesehen werden. Für die Erfolgsanalyse von Online-Marketing-Maßnahmen sei daher Cross-Channel-Tracking notwendig, um die komplette Customer Journey erfassen zu können. Während Display Ads genauso wie Affiliate zu den Initiatoren von Kaufprozessen gehörten, seien SEM und SEO eher die Exekutoren. Erst Display Advertising würde zu signifikanten, kampagnenspezifischen Suchanfrage-Steigerungen führen. Oder mit einem klassischen Marketing-Modell erklärt: Während Display Advertising für Attention (A) und Interest (I) sorgt, greifen SEM und SEO meist erst, wenn bereits Interest (I) oder gar Desire (D) erzeugt wurde. Das Tracking allein der Action (A) des letzen Tools greift also zu kurz. Um das komplette AIDA-Modell abzufahren, werden alle Online-Marketing-Tools benötigt und sollten dementsprechend bewusst eingesetzt und ihrer Leistung entsprechend gewürdigt werden.
5. Bewegtbild sollte nicht unterschätzt werden
Interessante und aufschlussreiche Beiträge – neben der klassischen Online-Marketing-Schiene – boten Jan Andresen von veeseo und Oskar Schneider von Leadlink. Andresen stellte sein Spezialgebiet Video-SEO vor. Da mehr als 25 Prozent der Google-Suchanfragen sich direkt auf Videobeiträge richten würden, sollte Videos auch die nötige SEO-Aufmerksamkeit gewidmet werden. Wer überprüfen möchte, ob sein Bewegtbildangebot in diesem Bereich schon gut aufgestellt ist, sollte folgenden Link folgen: http://www.VeeSeo.com/de/video-sitemap-guide. Hier gibt es einen ausführlichen Leitfaden für die Erstellung von XML Videositemaps. Schneider hingegen gab gleich zu, dass er kein Online-Marketing-Experte ist, sondern “nur” Spezialist für Resteplätzewerbung im TV. Fazit hier: Unter 30.000 € gar nicht erst über TV-Werbung nachdenken und auch nur machen, wenn die Zielgruppe breit genug ist. Dann aber kann TV-Werbung an die Erfolge von Online-Marketing-Maßnahmen rankommen.
6. The Next Big Thing
Dass Google nicht nur die komplette SEO- und SEM-Strategie der Unternehmen bestimmt, sondern bald auch in direkter Konkurrenz zu ihnen stehen wird, kristalliert sich bereits langsam heraus. Mit Angeboten wie Youtube hat es angefangen, mittlerweile stößt Google bereits in den Markt der Preisvergleiche hinein. Location Based Services sind neben Mobile Media und -eCommerce der nächste große Trend. Auch hier wird Google wohl kräftig mitmischen und die Verknüpfung von Online-Suche und Offline-Kaufen vorantreiben. Abgerechnet wird über Google Check Out. Christian Leybold machte es an einem Beispiel fest: Eine App auf meinem Smartphone weiß, wo im Laden ich mich befinde und schickt mir entsprechende Angebote zu Schnäppchen und Zusatzservices… Schöne neue Online-Welt.
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Ein wirklich sehr gelungener Artikel über Online Marketing!