In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL kann man einen Artikel lesen, in dem es darum geht, dass Unternehmen Fans für facebook-Seiten oder Twitter kaufen. Wer sich schon länger mit dem Thema Social Media beschäftigt, der wird das bereits kennen, denn meiner Meinung nach ist der Handel mit Fans genauso alt, wie die sozialen Netzwerke selbst.
Für die Broker und Fanhändler ist es ein lohnendes Geschäft, doch ich habe mich schon immer gefragt, wer für ein paar Cent seinen Account und damit u.U. seinen “guten” Namen voll spammt und seine Freunde nervt. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Fakeprofilen, mit denen versucht wird die vermeintlich schnelle Mark zu machen, doch wieso nehmen Marken und Unternehmen so einen Service überhaupt an? Bzw. wieso nutzen Agenturen diese Fan-Marktplätze um künstlich Masse zu generieren?!
Ganz einfach der Fan ist eine harte Währung auf facebook geworden! Hat man als Marke nur ein paar Hundert Fans, dann werden die Verantwortlichen schnell unruhig und sehen Ihr Image in Gefahr.
In den Social Media sollte doch wirkliches Engagement, also Likes und Kommentare viel mehr zählen, als die bloße Masse an Fans. Hier kommt auch schon das Dilemma, denn immer mehr Unternehmen sehen in facebook das Tool um Online-Marketing zu betreiben…macht ja Jeder und kostet erst einmal nichts…aber dann hat Wettbewerber XY auch schon 12.000 Fans gesammelt! “Das wollen wir auch“! Doch muss man sich doch erst einmal fragen, ist mein Produkt oder meine Dienstleistung social genug?! Klebstoffe für die Industrie z.B. wieso sollte ein Endverbraucher, und solche findet man nunmal zu 95% auf facebook, Fan von einem Industriekleber werden? – auch wenn dieser noch so toll klebt…
Große und starke Marken aus der Offline-Welt fürchten also um ihr Image, wenn sie nur ein paar Hundert Fans haben. Hier beginnt die wirkliche Arbeit eines Social Media Managers, denn es gilt attraktive Angebote auf der Seite zu schaffen, die zu Diskussionen einladen und ich bin mir sicher, eine große Marke hat auch tolle Geschichten zu erzählen.
Aber mal einen Schritt zurück: Wo beginnt eigentlich ein Kauf? Ich konnte schon auf einigen facebook-Fanpages beobachten, dass sich eine ganz neue und wirklich starke Gruppe formiert hat, wir nannten sie liebevoll unsere “Gewinnspiel-Muttis”. Es war der blanke Wahnsinn zu sehen, wieviele Frauen zwischen 25 und 40 an einem Gewinnspiel teilnahmen und bei der einen Seite ging es zum Beispiel um Autos! Doch die Damen haben für einen vermeintlich geringen Sachpreis die Seite zu ihrem Profil hinzugefügt, kommentiert (in der Hoffnung das steigert die Gewinnchancen), Beiträge geliked und sogar den Beitrag geteilt, was noch mehr Gewinnspiel-Muttis anlockte. Diese Gruppe scheint verdammt gut vernetzt zu sein.
Das Engagement strebte ein paar Wochen nach der Verlosung aber wieder gegen Null, aber die Leute blieben Fans…wahrscheinlich weil es unbequem ist, das Profil immer wieder zu aktualisieren. Deshalb denke ich ist es berechtigt zu fragen: Sind diese Fans nicht auch gekauft?!?
-UPDATE- Fanleichen wirken sich darüberhinaus negativ auf den Edgerank einer facebook-Seite aus: viele Fans + wenig Interaktion = geringer Edgerank! Was dazu führen kann, dass die Beiträge einer Seite als “minderwertig” bzw. uninteressant eingestuft werden und deshalb nur wenigen Fans (auch den echten) angezeigt wird…und damit ist man bereits mitten drin im Teufelskreis.
Fazit: Es muss ein Umdenken bei den Verantwortlichen stattfinden. Man muss in den Social Media andere KPIs heranziehen. Hier schlage ich mich auf die Seite der vielen vielen vielen vielen vielen vielen sog. Social Media Experten. Aber wie heißt es so schön “dieser Weg wird kein Leichter sein”.
Ich denke, solange die Verantwortlichen auf die Anzahl von Fans fixiert sind und den Erfolg von facebook nur daran messen, wird es auch einen Markt für Fan-Händler geben. Man kann Agenturen ja fast nicht einmal dafür verdammen, dass sie diese Services in Anspruch nehmen, wenn sie denn wirklich zum Großteil an der Anzahl der Fans gemessen werden. Außerdem machen Fans aus Indien oder Bangladesch einem in puncto Community Management kaum Probleme, denn ein Fan aus Indien wird sicher keinen Shitstorm auslösen…
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schöner artikel! aber ein aspekt sollte vielleicht noch erwähnt werden: gekaufte fans sind meist “fan-leichen”, die wenig oder gar nicht mit der gelikten seite interagieren – und das hat langfristig einfluss auf den edgerank. so kauft sich das unternehmen langfristig nur probleme ein: viele fans + wenig interaktion = geringere sichtbarkeit der beiträge im newsstream der (echten) fans
Stimmt. Danke für den Hinweis. Ich habe den Artikel noch einmal angepasst!
Sehr schöner Beitrag!
Viele Unternehmen stehen unter dem Erfolgsdruck des Nachweises einer möglichst hohen Anzahl von Fans auf Facebook und unterliegen daher der Versuchung eines käuflichen Erwerbs. Das Grundprinzip von Social Media und die Wirkungsmechanismen im Social Web haben diese Unternehmen offenbar aber nicht verstanden.
Die reine Quantität an Fans auf Facebook ist für die Wirkung von Social Media auf die Reputation und das Ansehen bzw. den Influencer-Effekt nicht allein ausschlaggebend. Einen viel stärkeren Einfluss üben die eher weichen, qualitativen Einflussgrößen aus. Diese Erfolge lassen sich jedoch deutlich schwieriger käuflich erwerben. Sie erfassen vor allem die Qualität von Sentiments, welche im Social Media zu einem bestimmten Thema verfasst werden. Die Inhalte lassen sich beispielsweise hinsichtlich ihrer Aussagekraft, Professionalität und Tonalität messen und in die drei Kategorien positiv, negativ oder neutral bzw. ambivalent einstufen. Zudem ist das komplexe Konstrukt Engagement der User zu integrieren.
Die Erzielung nachweisbarer Wirkungen durch Social Media stellt aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine sehr schwierige Aufgabe dar. Sie bedeutet die Bewältigung zahlreicher Herausforderungen und wird Wissenschaft und Praxis in nächster Zeit noch intensiv beschäftigen.
Mehr zum Thema auf meinem Blog http://hsimmet.com z. B. http://hsimmet.com/2012/04/21/7-herausforderungen-in-der-messung-der-effizienz-von-social-media/ und http://hsimmet.com/2011/12/10/effizienzmessungen-im-commerce-2-0/
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Vor allen Dingen muß man darauf achten, daß es nicht irgendwelche Spam-Bots sind, die wirklich nur facebook-Leichen sind…
Ich glaube, man sollte der Versuchung widerstehen, Fans zu kaufen. Die Suchmaschinen werden schlauer, und am Ende helfen nur organische gewachsene Mitgliedschaften.